Nackenschmerzen

Du leidest unter ständigen und wiederkehrenden Nackenschmerzen? Oder kennst du jemanden, der seine Nackenschmerzen einfach nicht in den Griff bekommt?

 Wir klären auf, was dahintersteckt, und zeigen dir einen Weg aus dem ewigen Kreislauf von Angst und Schmerz.

Mit dieser Seite möchten wir dir einen Einblick in das Thema Nackenschmerzen gewähren. Wir betrachten die Problematik hinter der Diagnose und stellen unser physiotherapeutisches Vorgehen und unsere Behandlungsmethoden vor. Hierfür beziehen wir uns auf wissenschaftliche Studien und unsere jahrelange Praxiserfahrung.

Wir möchten dir damit die Möglichkeit geben, dich bereits im Vorfeld gut über die Thematik zu informieren und Fragen oder Unsicherheiten klären zu können

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Vorab wollen wir klarstellen, dass sehr viele Menschen Nackenschmerzen erleben. Etwa 70 % der Weltbevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens an Nackenschmerzen. Damit bist du also NICHT ALLEINE!

Nackenschmerzen gehören zu einer der häufigsten und kostenintensivsten Erkrankungen des Bewegungsapparates in der westlichen Gesellschaft. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Nackenschmerzen chronifizieren, ist hoch und liegt bei 15-19 %.2,3,4

Obwohl Nackenschmerzen komplex sind und immer von vielen Faktoren beeinflusst werden, sind sie in der Regel nicht gefährlich. Zusätzlich haben Nackenschmerzen eine verhältnismässig hohe Wahrscheinlichkeit, von allein wieder zu verschwinden, in den meisten Fällen innerhalb von 2 Monaten.2 Jedoch zeigt sich eine hohe Wahrscheinlichkeit für das erneute Auftreten von Nackenschmerzen.

Nackenschmerzen beschreiben kein festes Krankheitsbild. Es beschreibt einen Schmerzort, dessen Ursachen und Symptome nicht klar abgegrenzt werden können. Sie werden dabei in unspezifische und spezifische Nackenschmerzen unterteilt. Unspezifische Nackenschmerzen sind Schmerzen ohne eine strukturelle Ursache. Diese betreffen ca. 90 % aller Patient:innen. Spezifische Nackenschmerzen werden unterteilt in Patient:innen mit neurologischen Symptomen und in solche, bei denen Nackenschmerzen auf eine ernsthafte Erkrankung zurückzuführen sind.8

Unspezifische Nackenschmerzen ohne strukturelle Schädigung → ca. 90 % aller Fälle

Ein Grossteil der Patient:innen, welche unter Nackenschmerzen leiden, entwickelt diese ohne anatomische Veränderung, welche den Schmerz verursacht. Röntgen-, MRT- und CT-Untersuchungen können degenerative, altersbedingte Veränderungen zeigen, welche aber nicht die Ursache der Schmerzen sein müssen. So wie unsere Haut Falten bildet, wenn wir älter werden, verändert sich auch das Innere unseres Körpers.

Spezifische Nackenschmerzen mit neurologischen Symptomen → 8-9 % aller Fälle

Diese Patient:innengruppe gibt an, unter Taubheitsgefühlen oder Muskellähmungen zu leiden. Hierfür können Irritationen des Nervs oder Bandscheibenvorfälle mit Kompression auf den Nervenstrang verantwortlich sein. Dennoch können auch diese Patient:innen unter engmaschiger Symptomkontrolle konservativ behandelt werden.8

Spezifische Nackenschmerzen mit schwerwiegenden Erkrankungen → 1-2 % aller Fälle

Die seltensten Ursachen für Nackenschmerzen sind ernsthafte Erkrankungen, welche eine medizinische Behandlung oder weitere Untersuchungen erfordern. Trotzdem sollte an dieser Stelle nochmals betont werden, dass dies nur sehr selten vorkommt.8

Da Patient:innen mit unspezifischen Nackenschmerzen den grössten Teil ausmachen, werden wir uns, sofern nicht anders angegeben, auf diese Patient:innengruppe beziehen.

Wie entsteht die Problematik?

Ähnlich wie beim unteren Rückenschmerz lässt sich auch bei unspezifischen Nackenschmerzen keine einzelne, eindeutige Ursache identifizieren. Vielmehr ist es ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus unterschiedlichen Lebensbereichen, das zur Entstehung von Nackenschmerzen, Muskelverspannungen, Bewegungseinschränkungen und allgemeinem Unwohlsein führt.

Grundsätzlich entstehen Schmerzen immer dann, wenn unser Nervensystem den Eindruck gewinnt, dass eine potenzielle Gefahr für den Körper besteht. Folglich können alle Umstände, die unser Körper als bedrohlich wahrnehmen kann – beispielsweise Veränderungen im Gewebe, Stress, Schlafprobleme oder ein dauerhaft aktives Immunsystem –, zur Entwicklung von Schmerzen beitragen.10,13

Die verschiedenen Faktoren, welche das Risiko für unspezifische Nackenschmerzen erhöhen können, lassen sich im Wesentlichen in drei Hauptbereiche einteilen:

Somatische (körperliche) Faktoren8,12

Diese Kategorie umfasst körperliche Aspekte und biologische Prozesse, die das Risiko für Nackenschmerzen beeinflussen können. Dazu gehören:

  • Veränderung im Gewebe (z. B. Verlust der Muskelmasse)

  • Überbelastung von Gewebe

  • Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems

  • Körpergewicht und Anteil an Körperfett

  • Rauchen

  • Bestehende andere Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck

  • Frühere Episoden von Nackenschmerzen

  • Ein subjektiv hohes Gefühl von Muskelverspannung

  • Asthma

  • Das weibliche Geschlecht

  • Gleichzeitig auftretende Schmerzen im unteren Rücken

  • Überwiegend sitzende Tätigkeit

Psychische Faktoren8,11

Diese Kategorie beinhaltet mentale und emotionale Aspekte, welche eine Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Nackenschmerzen spielen können:

  • Stress (sowohl im Beruf als auch im privaten Bereich)

  • Die Tendenz, Schmerzen und ihre Folgen übermässig negativ zu bewerten (Katastrophisierung)

  • Die Angst vor Bewegung aufgrund der Schmerzen (Kinesiophobie)

  • Depressive Verstimmung

  • Anhaltende Sorgen

  • Ein geringes Vertrauen in die eigene Fähigkeit, mit den Beschwerden umzugehen (geringe Selbstwirksamkeit)

  • Schlafprobleme

Soziale Faktoren5,8

Diese Kategorie umfasst Einflüsse aus dem sozialen Umfeld und den Lebensumständen einer Person:

  • Die Beobachtung, dass Büroangestellte häufiger betroffen sind (mit einer um 17,7 % bis 63 % höheren Wahrscheinlichkeit)

  • Das Einkommen

  • Der soziale Status

  • Die familiäre Situation

Die gute Nachricht ist, dass wir auf die meisten Faktoren, welche Nackenschmerzen begünstigen, grossen Einfluss haben und sie daher gut behandeln können.

Oftmals entstehen diese Probleme durch eine sogenannte "Überlastung". Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass diese Überlastung meist nicht durch ungewöhnlich hohe Belastungen verursacht wird. Vielmehr liegt die Ursache darin, dass der Körper nicht ausreichend belastbar ist, um den normalen Anforderungen des Alltags standzuhalten. Diese Belastbarkeit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, zu denen auch die bereits erwähnten Risikofaktoren gehören.

Besonders das Krafttraining spielt hierbei eine bedeutende Rolle, da es auf vielfältige Weise einen positiven Einfluss auf die Belastbarkeit des Körpers nehmen kann.

Symptome

Da Nackenschmerzen durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden, können auch die damit verbundenen Einschränkungen und Beschwerden sehr unterschiedlich sein und sich von Person zu Person stark unterscheiden.

Im Folgenden findest du einige Beispiele für die häufigsten Symptome, welche bei Nackenschmerzen auftreten können:

  • Eingeschränkte Beweglichkeit im Nackenbereich

  • Plötzlich auftretender, stechender Schmerz

  • Anhaltender Schmerz sowohl bei körperlicher Aktivität als auch im Ruhezustand

  • Verspannte Muskulatur, die sich bei Berührung hart anfühlt

  • Ein Gefühl von Abgeschlagenheit oder Müdigkeit

  • Schmerzen, die in die Arme oder Beine ausstrahlen können

  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Armen und Händen

Diagnostik

Die Diagnose von Nackenschmerzen basiert hauptsächlich auf drei Untersuchungsmethoden. Ziel dieser Methoden ist es, die Nackenschmerzen in die bereits erwähnten Untergruppen einzuordnen und mögliche ernste Ursachen (sogenannte „Red Flags") zu erkennen, die eine Behandlung im Rahmen der Physiotherapie ausschliessen. Bei solchen Verdachtsfällen erfolgt eine Überweisung an eine:n Ärzt:in für weitere Untersuchungen.8,9,26

Die drei zentralen Untersuchungsmethoden sind:

  1. Das Anamnesegespräch: Hier stellen wir dir gezielte Fragen zu deinen aktuellen Beschwerden, wie sie sich entwickelt haben und welche Einschränkungen du im Alltag dadurch erlebst.

  2. Die körperliche Untersuchung: Diese beinhaltet verschiedene Tests, bei denen wir deine Bewegungen, Funktionen und wie dein Körper auf schmerzauslösende oder -lindernde Massnahmen reagiert, untersuchen.

  3. Bildgebende Verfahren (optional): In bestimmten Fällen kann es notwendig sein, zusätzliche bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchzuführen.

Es ist entscheidend zu verstehen, dass die ersten beiden Untersuchungsmethoden immer durchgeführt werden sollten. Die bildgebende Diagnostik hingegen ist nicht routinemässig erforderlich, sondern wird nur bei einem begründeten Verdacht auf ernsthafte (spezifische) Erkrankungen von einer:einem Ärzt:in angeordnet und durchgeführt.8,9,26

Mythen rund um Nackenschmerzen

"Was man im MRT sieht, muss auch Schmerzen verursachen"

Leider ist das nicht so einfach. Studien zeigen, dass nur etwa 10 % der Menschen mit deutlichen Verschleisserscheinungen an der Halswirbelsäule tatsächlich Schmerzen im Nacken und in der Schulter haben.14 Ähnlich sieht es bei Bandscheibenvorfällen aus: Bei 90 % der Menschen ohne Beschwerden findet man im MRT eine Bandscheibenvorwölbung.9 Es scheint sogar so zu sein, dass Nackenschmerzen im Alter tendenziell abnehmen, während die Veränderungen auf den Bildern zunehmen.16 Daraus können wir schliessen, dass Veränderungen an der Wirbelsäule oft normale Alterserscheinungen sind – wie "Falten an der Wirbelsäule".

"Von einer krummen Haltung (wie beim aufs Handy schauen) bekommt man Nackenschmerzen"

Auch wenn oft ein Zusammenhang zwischen Nackenschmerzen und einer schlechten Körperhaltung erwähnt wird ("Handynacken"), zeigen Studien, dass die Haltung beim Sitzen oder Tippen auf dem Smartphone keinen direkten Einfluss auf Schmerzen hat. Menschen, die "krumm" sitzen, haben genauso oft Schmerzen wie diejenigen, die aufrecht sitzen.17,18 Was aber wirklich gegen Schmerzen hilft, ist ein regelmässiger Wechsel deiner Körperhaltung. Unser Merksatz dazu ist: "Deine nächste Haltung ist deine beste Haltung!"19,20

"Akupunktur, Lasertherapie, Elektrotherapie, Ultraschall oder Traktion helfen"

Diese Therapieformen haben ebenfalls keinen bis wenig Effekt auf den Schmerz und die Beweglichkeit. In der Regel ist die Wirkungsdauer nur kurzfristig und nicht besser als bei einer Placebo-Therapie.30,31,33,34,35,36

Akupunktur: Akupunktur verursacht keine bessere Schmerzreduktion als eine Placebo-Therapie.30

Lasertherapie: Lasertherapie, auch „Low-Level-Lasertherapie" genannt, hat ebenfalls keinen signifikanten Effekt auf den Schmerz bei muskuloskelettalen Schmerzen.34

Elektrotherapie: Es wird zwischen verschiedenen Formen der Elektrotherapie unterschieden:

TENS:

  • Niedrigfrequenter Strom, kein Einfluss auf den Schmerz.

Galvanische Stimulation:

  • Vier Elektroden → es soll ein elektrisches Feld gebildet werden, hat leider auch keinen Einfluss auf den Schmerz oder die Funktion.

Interferenzstrom:

  • Mittelfrequenter Strom, nicht so effektiv wie viele andere Anwendungen.

Iontophorese:

  • Salben mittels Strom tiefer in die Haut transportieren, keine Verbesserung in Schmerz oder Funktion.35,36

Ultraschall: nicht empfohlen, keine bewiesene Wirkung.31

Traktion: kein Unterschied im Gegensatz zu einer Placebo-Traktionstherapie.33

"Verspannte Nackenmuskeln müssen entspannt und massiert werden!"

Während oft angenommen wird, verspannte Nackenmuskeln müssten primär entspannt und massiert werden, deuten wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass Massage nur wenig bis keinen nachhaltigen Einfluss auf Muskulatur und Bindegewebe hat.24,25 Vielmehr gilt: Ein verspannter Muskel ist häufig auch ein schwacher Muskel. Die effektivste Methode zur Behandlung von Verspannungen ist deshalb aktives Training.21,22,23

"Der Nacken ist grundsätzlich sehr schwach und ein anfälliges Körperteil!"

Entgegen der Annahme, der Nacken sei grundsätzlich sehr schwach und anfällig, kann er durch entsprechendes Training zu einem sehr starken und widerstandsfähigen Körperteil entwickelt werden. Dies belegen unter anderem Untersuchungen im Autosport. Eine Studie mit Demolition-Derby-Fahrer:innen zeigte beispielsweise, dass diese trotz durchschnittlich 52 Kollisionen pro Event (bei bis zu 72 km/h) im Schnitt weniger als 21 Tage unter Nackenschmerzen litten. Zudem kam es bei keiner der untersuchten Personen zu einer Chronifizierung der Schmerzen.32

„Da ist ein Wirbel blockiert!"

Die oft gehörte Aussage „Da ist ein Wirbel blockiert!" greift bei unspezifischen Nackenschmerzen, für die, wie bereits dargestellt, kein klarer anatomischer Auslöser gefunden wird,9 zu kurz. Stattdessen führt das Nervensystem in Reaktion auf Schmerzen eine Muskelanspannung oder -verkrampfung herbei, die sich subjektiv als Blockade oder Bewegungseinschränkung äussert.10,13

Vergleichende Studien haben gezeigt, dass manuelle Therapie bei unspezifischen Nackenschmerzen keinen Vorteil gegenüber Training bietet. Forschungsergebnisse legen vielmehr nahe, dass Bewegungseinschränkungen durch gezieltes Training effektiver gelöst werden können als durch manuelle Behandlungen.37

"Kompression (Druck) verstärkt die Schmerzen!"

Das Trainingsgerät wurde von Therapeut Michael Bol inspiriert, der während seiner Zeit in Simbabwe die Beobachtung machte, dass Menschen, die von klein auf schwere Lasten (bis zu 70 kg) auf dem Kopf trugen, erstaunlicherweise keine Nackenprobleme entwickelten.

Basierend auf dieser Erkenntnis nutzt der von ihm mitentwickelte M.A.K.S. eine Kompressionsbehandlung, also gezielten Druck auf den Nacken. Mehrere kleinere Studien, unter Beteiligung von Hochschulen wie denen in Nijmegen und Arnhem, konnten nachweislich belegen, dass diese Methode bei unspezifischen Nackenschmerzen Schmerz und Beweglichkeit effektiver verbessert als eine Traktionstherapie (Zug am Kopf).41

Diese positiven Ergebnisse wurden auch durch eine Pilotstudie der Stadt Kevelaer im Jahr 2015 bestätigt, bei der alle 34 Teilnehmenden eine Besserung verzeichneten, wobei der grösste Nutzen bei den Personen mit Nackenbeschwerden auftrat.

Der therapeutische Druck des Kissens soll den Stoffwechsel in schlecht durchbluteten (bradytrophen) Geweben wie Gelenkknorpel, Bandscheiben und Bindegewebe fördern und durch die mechanischen Reize deren Stärkung anregen.

Operation? Ja oder nein?

Die klare Aussage vorweg: Bei der grossen Mehrheit der Personen mit Nackenschmerzen ist eine Operation weder notwendig noch sinnvoll. Ein chirurgischer Eingriff sollte nur in den seltenen Fällen von spezifischen Nackenschmerzen in Betracht gezogen werden, die auf ernsthafte Grunderkrankungen zurückzuführen sind.

Nach heutigem medizinischem Konsens wird bei unspezifischen Nackenschmerzen primär eine konservative Therapie empfohlen.8,10,26,38

Es zeigt sich oft, dass Patient:innen Fehleinschätzungen bezüglich der Effektivität einer OP bei Nackenschmerzen haben. Beispielsweise würde laut einer Studie die Hälfte der Befragten einer Operation zustimmen, sobald auf einem Bildgebungsbefund (MRT, CT) eine "krankhafte" Veränderung festgestellt wird.13 Dabei ist wichtig zu wissen, dass augenscheinlich "krankhafte" Veränderungen an den Gelenken und Strukturen des Nackens bei bis zu 90 % der Menschen ohne Beschwerden ebenfalls vorhanden sind.9 Diese Befunde sollten daher eher als normale altersbedingte "Falten" des Körperinneren verstanden werden und nicht automatisch als Grund für eine Operation gelten.

Was kannst du von uns als Patient:in oder Ärzt:in erwarten?

Zu Beginn der ersten Therapiesitzung steht ein ausführliches Anamnesegespräch, gefolgt von einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Ziel ist es, alle therapierelevanten Informationen zu erfassen, deinen aktuellen Rehabilitationsstatus zu bestimmen und mögliche Risikofaktoren zu identifizieren.

Besonderes Augenmerk legen wir auf sogenannte "Red Flags" – klinische Zeichen und Symptome wie Schwindel, plötzliche Sehstörungen, motorische oder sensorische Defizite im Armbereich, Fieber, Nachtschweiss oder unerklärlicher Gewichtsverlust –, die auf eine spezifische, möglicherweise ernstere Erkrankung hindeuten könnten. Sollte sich hier ein Verdacht ergeben, überweisen wir dich umgehend zurück an deine:n behandelnde:n Ärzt:in, was jedoch nur sehr selten vorkommt.

Gemeinsam mit dir erarbeiten wir ein individuelles Anforderungsprofil, das genau auf deine Bedürfnisse im Alltag zugeschnitten ist. Wir definieren klar deinen aktuellen Zustand (IST) und formulieren die zu erreichenden Ziele (SOLL).

Der therapeutische Prozess dient dazu, dich auf diesem Weg zu begleiten. Dein Fortschritt und dein Leistungszustand werden dabei laufend neu bewertet und die Therapie entsprechend angepasst.

Um das Behandlungspotenzial voll auszuschöpfen und die Therapieeffizienz zu steigern, bieten wir optional eine erweiterte Therapiezeit an. Diese Zusatzleistung ermöglicht eine noch intensivere und damit qualitativ hochwertigere Behandlung zur Optimierung deines Therapieergebnisses.

Unsere Vorgehensweise bei Nackenschmerzen

Wie du mittlerweile weisst, sind Nackenschmerzen ein komplexes und häufiges Leiden, das von vielen Faktoren beeinflusst wird. Das bedeutet, es gibt keine Standardbehandlung – aber das sollte dich keineswegs verunsichern.

Entsprechend nationalen und internationalen wissenschaftlichen Leitlinien legen wir bei der Behandlung den Schwerpunkt klar auf die aktive Therapie. Dabei stehen regelmässige körperliche Aktivität und Verhaltensanpassung im Vordergrund. Durch diese zentralen Massnahmen kannst du als Patient:in deine Gesundheit selbstständig unterstützen und präventiv mitwirken.8,10,26,39

Besonders wichtig ist uns dabei die Patient:innenedukation durch Erklärung und Beratung.10 Dafür nehmen wir uns während des Behandlungsverlaufs viel Zeit; auch diese Seite wurde entwickelt, um dich noch besser informieren und beraten zu können, wie du dich bei deinen Beschwerden verhalten und mit ihnen umgehen solltest.

Als ergänzende Massnahme können bei Bedarf Techniken der manuellen Therapie (wie Mobilisationen) oder Osteopathie hinzugezogen werden. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um ergänzende Methoden, die meist dazu dienen, die notwendige Voraussetzung für die aktive Therapie zu schaffen.8,10,26,39,40

Sowohl die Wissenschaft als auch unsere Erfahrung zeigen, dass eine (dauerhafte) Umsetzung von passiven Behandlungsmethoden bei Nackenschmerzen kurzfristig Schmerzen reduzieren und/oder die Beweglichkeit verbessern kann, dies jedoch langfristig meistens nicht der Fall ist.42,43,44,45,46,47,48,49,50,51,52,53 Dies führt oft dazu, dass Patient:innen berichten, dass es in den ersten Tagen nach der Behandlung besser geht, danach aber die Beschwerden zunehmen und die nächste Behandlung wieder gebraucht wird. Somit kann eine Abhängigkeit von der:dem Therapeut:in entstehen. Dieses Problem hat man bei einer aktiven Behandlung nicht, weil 1. die Effekte der Behandlung generell länger anhalten und 2. die:der Patient:in in der Lage ist, diese Art der Behandlung selbstständig, ausserhalb der Therapie, weiterzuführen.42,46,47,48,49,50 Eine Massage wird nicht oft (als ergänzende Massnahme) bei uns durchgeführt, da die Wissenschaft in den letzten Jahren gezeigt hat, dass eine Massage bei Nackenschmerzen nicht so wirksam ist, wie früher angenommen wurde. Mehr Information dazu erhältst du hier. Dies wird unterstützt von nationalen und internationalen wissenschaftlichen Leitlinien, die sogar von einer Massagetherapie bei Nackenschmerzen abraten.42,43,46,47,48,49,50,52

Paradigmenwechsel in der Behandlung von Nackenschmerzen

Wie dir vielleicht bereits aufgefallen ist, gehen wir in der Physiotherapie bei PlenaVita mit Nackenschmerzen etwas anders um, als man es vielleicht von Physiotherapeut:innen gewohnt ist. Viele Patient:innen mit Nackenschmerzen denken, sobald sie eine Verordnung für Physiotherapie haben, dass sie 6x Massagetherapie bekommen, auch wenn auf dem Rezept "Krankengymnastik" steht. Wir streben einen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Nackenschmerzen an, und zwar steht bei uns, wie bereits erwähnt, ein aktiver Ansatz im Fokus statt einer passiven Behandlung.42,44,46,48,52

Jetzt fragst du dich natürlich, wie ein aktiver Ansatz in der Behandlung von Nackenschmerzen aussieht. Ganz genau können wir diese Frage nicht beantworten, denn Nackenschmerzen sind sehr individuell und die dadurch erfahrenen Einschränkungen, Schmerzen und Probleme variieren stark. Die aktive Therapie bei Nackenschmerzen wird bei uns oft nach den Leitlinien der International Academy for Sportscience gestaltet.

Sobald beurteilt worden ist, ob dieses Konzept für die:den Patient:in geeignet ist, wird eine funktionelle Diagnostik durchgeführt. Während der funktionellen Diagnostik wird deutlich, welche Bewegungen und Aktivitäten schmerzhaft oder eingeschränkt sind und somit verantwortlich sind für Einschränkungen im Alltag, bei der Arbeit oder beim Sport. Genau diese Bewegungen werden während des weiteren Rehabilitationsverlaufs, im schmerzfreien Bewegungsbereich, wiederholt, wobei die Belastung in kleinen Schritten graduell erhöht wird. Hiermit wird die sogenannte spezifische Belastbarkeit verbessert: Die schmerzhaften Bewegungen werden mit der Zeit weniger schmerzhaft, weil unser Körper diesen Reiz durch den spezifischen Trainingsprozess und dessen Anpassungen besser vertragen kann. Durch die verbesserte spezifische Belastbarkeit haben wir einen direkten Einfluss auf Schmerzen und Einschränkungen und können diese nachhaltig reduzieren.

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Stand August 2026